Beim ersten Start führt
ein gut verständliches Programm in die wichtigsten Bedienschritte ein.
Es fordert den User interaktiv dazu auf, bestimmte Übungen zu
absolvieren. Und das ist gut so, denn andernfalls stünde der Erstnutzer
ziemlich ratlos vor einem Gerät mit Blackberry 10. Die Oberfläche hat
herzlich wenig mit Android, iOS oder Windows Phone gemein – und rein gar
nichts mit ihrem Vorgänger.
Touchpad, Kugel oder gar Steuerkreuz
sind überflüssig geworden, ab sofort ist der Touchscreen integraler
Bestandteil des Konzepts. Nicht einmal einen Home-Button, wie bei allen
Konkurrenz-Systemen üblich, benötigt Blackberry 10. Wozu auch, es gibt
nämlich auch keinen Homescreen. Widgets wie bei Android sucht man daher
vergebens. Als zentraler Ausgangspunkt fungiert stattdessen die Liste
mit den zuletzt genutzten Anwendungen. Sie wird in Form großer
Thumbnails angezeigt, von denen vier auf eine Seite passen und durch die
man vertikal blättern kann. Hier sammeln sich automatisch die
wichtigsten Apps, eine explizite Zuordnung wie bei Android und Windows
ist nicht erforderlich. Das funktioniert in der Praxis erstaunlich gut –
allerdings nur solange, wie man mit nicht allzu vielen Anwendungen
jongliert.
Fingerwisch für alles
Bei mehr als zwölf,
maximal 16 Apps beginnt es, unübersichtlich zu werden. In solchen Fällen
erweist es sich als schneller, das Menü zu bemühen: Endlich mal ein
vertrauter Anblick. Dessen Icons können zwar per „drag & drop“
individuell angeordnet, nicht aber automatisch nach Alphabet sortiert
werden. Wie man dorthin gelangt? Einfach durch einen Fingerwisch nach
links. Eine App verlassen? Mit dem Finger von der Unterkante zur Mitte
hin fahren. Soll die Anwendung endgültig geschlossen werden, muss das
etwas zu klein geratene Kreuz unten rechts angetippt werden.
Der Groschen muss erst fallen
Klingt
einfach? Ist es auch. Wenn man das Konzept erst einmal verinnerlicht
hat. Rückwirkend fragt man sich, wieso man das nicht gleich verstanden
hat. Denn das Prinzip ist simpel und konsequent umgesetzt, weshalb die
Bedienung flott von der Hand geht. Allerdings ist nicht alles eitel
Freud‘ und Sonnenschein im Blackberry-Land. So lässt sich beispielsweise
Blackberry 10 teilweise auch im Querformat bedienen, wobei es
irrelevant ist, ob man das Gerät nach links oder rechts dreht.
Diese
Haltung ist eigentlich die native für Geräte mit 16:9-Bildschirm,
welche dieses Format wiederum deswegen aufweisen, weil es sowohl dem
menschlichen Blickfeld entspricht als auch das horizontale Scrollen bei
Webseiten überflüssig macht. Zumindest bei der Bedienung mit zwei Händen
erweist sich das Querformat daher als überaus ergonomisch. Der
Bildinhalt wandert entsprechend mit, dessen Aufbau ändert sich
angemessen.
Keine Geste zum Verkleinern
Unverständlich
daher, warum Blackberry das Querformat nicht vollständig umgesetzt hat:
Bei den meisten Anwendungen funktioniert das prima, leider nicht im Menü
und bei der Anzeige der geöffneten Apps. Überall dort, wo die Bedienung
im Querformat möglich ist, kommt es ferner zu einem Folgeproblem: Die
Entwickler haben nämlich teilweise vergessen, die Wischgeste von der
Unterkante (also der ursprünglich linken oder rechten Seite) zum
Verkleinern der App zu integrieren: Da passiert mitunter gar nichts.
Dieses Phänomen tritt partiell auch bei der Bedienung im Hochformat auf,
beispielsweise immer dann, wenn irgendwelche Optionen oder Untermenüs
aktiv sind: Hier muss der Anwender zunächst über den „Zurück“-Softkey
unten links zum Hauptbildschirm der App, erst dann kann die Anwendung
mit der Wischgeste von unten zur Mitte hin verkleinert werden.
Was
natürlich Unsinn ist, denn wenn man eine App verlassen möchte, dann
umgehend und nicht erst nach irgendwelchen Zwischenschritten. Das
analoge Problem betrifft das Einstellungs-Fenster, welches die
Justierung der Displayhelligkeit vermissen lässt und sich vom oberen
Bildrand herunterziehen lässt wie das Benachrichtigungscenter bei
Android und mittlerweile auch iOS: Wiederum ist diese Geste auf manchen
Unterseiten nicht möglich – obwohl kein Grund ersichtlich ist, warum der
Nutzer nicht jederzeit und überall die Möglichkeit haben sollte, zu den
Einstellungen zu gelangen oder Funktionen wie WLAN, Bluetooth & Co.
ein- oder auszuschalten.
In der Blackberry World schließlich, dem
App-Store von Blackberry, gibt es ein ähnlich gelagertes Problem: Dort
lässt sich eine Suche nämlich ausschließlich auf der Startseite
initiieren. Ist man erst einmal in die Kategoriennnavigation
eingestiegen, besteht diese Möglichkeit nicht mehr, weil das Such-Icon
auf dem schwarzen Balken für die Softkeys am unteren Bildrand
schlichtweg fehlt. Also heißt es zurück zur Startseite, wenn man etwas
suchen will. Da muss Blackberry noch kräftig nachbessern.